Donnerstag, 9. August 2018

Warum kannst du nicht Mattias heißen?

Wenn meine Kollegen mich fragen, warum ich Single bin, das wäre doch gar nicht nötig und sei absolut unverständlich (es folgt eine Liste positiver Eigenschaften, die meine Eignung zur Beziehung unterstreichen), dann sage ich manchmal, dass ich ja mit Jesus zusammen bin. Das ist noch viel unverständlicher.
Gelegentlich folgt dann die Frage (von männlichen Kollegen ohne Partner), ob da nicht noch was drin sei für sie.
Nein, sage ich.
Ja, aber hömma, das mit dem Jesus … den gibts doch gar nicht. Oder höchstens in deinem Kopf. Der ist ja kein echter Mensch.

Das Gespräch würde komplett anders verlaufen, würde ich sagen: Ich bin mit Mattias zusammen. Punkt.
Keiner würde auf die Idee kommen, sich Hoffnungen auszurechnen.

Ich könnte Jesus mal fragen, ob er einen Zweitnamen hat. So einen … na jaaaaa, Decknamen. Was einfacheres. Unverfänglicher.
Aber das ist dann nicht Sinn der Sache.
Weiß ich ja auch.

Montag, 23. Juli 2018

Was ich tun werde, wenn es wieder Regen gibt

Ich präzisiere: Es geht nicht um den Regen, der zweimal im Monat bei günstiger Gewitterlage herniederfällt und auf dem überhitzten Asphalt gleich wieder verdunstet.
Ich meine regelmäßigen Regen. Genauso den sanften bergischen Landregen, der uns mal eine graue Woche beschert oder zwei, wie auch die Sturzflut vom Himmel, die Bäche in Wildgewässer verwandelt und Brücken von unten nass macht.
Wenn das typische Bergische Wetter also wieder da ist, dann will ich folgende Dinge tun -- rechnest du damit, dass es um Gartentaten geht? Du rechnest richtig.

Projekt 1:
Ich will das Teichufer neu gestalten.
Die Alchemilla ist mir da zu dominant geworden, ich will sie in den Kampf gegen den Giersch schicken, da kann sie mal beweisen, was in ihr steckt. Insgeheim nenne ich sie ja lange schon "Ludmilla" nach irgendeiner rumänischen oder weißrussischen Kugelstoßerin.
Stattdessen wünsche ich mir mehr Teichtigkeit am Leich. Die rosa und rote Schafgarbe, die viel zu dicht in den beiden Kübeln am großen Hochbeet stehen und dem Tod durch Verdursten schon unzählige Male ins Gesicht geblickt haben, muss ich sowieso längst teilen (hätte längst teilen müssen). Dazu einige filigrane hohe wie niedrige Frühlingsommerherbststauden, die das Sortiment neben Lavendel, Heuchera, Gräsern und der immer noch nicht definierten Wunderstaude farblich und jahreszeitlich abrunden.
Der Alchemilla würde es nicht langweilig, denn der Giersch lebt und sprießt rund ums Grundstück an der langen Kirschlorbeerhecke und an der Zaunseite zu den neuen Nachbarn. Nur aus meinem Gemüsebeet hinterm Gewächshaus konnte ich ihn bisher vertreiben. (Nein, der Arme-Leute-Spinat ist bei mir kein Gemüse, ich helfe ja auch nicht den Ackerschachtelhalm zu dezimieren, indem ich Tee mit dem Kraut kaufe.)

Projekt 2:
Auf dem kleinen Absatz an der Straßenseite des Gartens will ich nach dem Umsetzen der letzten von sechs Hortensien diverse niedrige Gräser und Bergenien sesshaft werden lassen. Links und rechts der künftigen breit- und schmalblättrigen Gesellschaft stehen ein wuchsfreudiger Hasel sowie einige Forsythien, die den Hortensien alles Licht geraubt hatten. Hinter ihnen natürlich auch ein Stück Natursteinhecke (so nenne ich Kirschlorbeerhecken, weil sie ja das ganze Jahr gleich immergrün aussehen).
Bisher stehen da schon Bergenien, aber auf dem Boden ist Unkrautvlies. Den Hortensien war das egal, die Bergenie weiß bald nicht mehr wohin mit sich selbst, da sie sich nicht ausbreiten kann.
Natürlich würde auch die letzte Hortensie gründlich zurückgeschnitten, um den Preis, dass sie nächstes Jahr nur grün sei. Die Büsche sollen im (vorm Sommer begonnenen) Hortensienbeet ein dichtes Blätter- und Blütendach bilden. So lang ausgeschossen kann ich sie ohnehin nicht ausgraben, dazu ist es zwischen Hasel und Hecke zu eng.

Projekt 3:
Die Helleborus, Astilben, Hosta und Päonien, die sich in Konkurrenz mit Kirschlorbeer, rotem Zierahorn und, na was schon? Giersch befinden, will ich auch umsetzen: die Schattenfreunde unter die Blutpflaume zu den anderen ihres Gleichen und die Päonien gerne an den Teichrand. Falls den Plänen etwas entgegen steht, könnten sie auch noch ein eigenes Beet bekommen, wo sie reich und rosa, magenta, weiß blühen könnten, weil sie endlich genug Platz hätten. (So eine Päonie mag es nicht beengt.) Der Garten hat bislang eine Menge Rasenfläche, aber der Mann, der erst den Mäher bewegt und hinterher den Rasenschnitt entsorgt, hätte nichts dagegen, wenn es weniger wird.

Dieses ganze Spatenballett, das in einem normalen bergischen Sommer durchaus machbar wäre, kann ich dieses Jahr seit Ende April nicht tun, weil mir alles verdorren würde. So viel kann man gar nicht gießen, dafür ist die Ressource Trinkwasser zu kostbar. Denn die Regenzisterne enthält viel zu oft nicht die möglichen 1.700 Liter, sondern -- weniger.

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p.s.: natürlich würden mir noch ein paar andere Projekte einfallen. So eine Liste ist nie abgeschlossen.

Dienstag, 10. Juli 2018

Die Gießkanne, das soziale Wesen.

Gießkannen, das glauben viele, sind hohle Gegenstände aus Plastik, Zink oder anderen Materialien, mit denen man (zumeist) Wasser von einer wie auch immer gearteten Quelle zu einem Ort trägt, an dem man den nassen Inhalt ausgießt.
Aber so eine Gießkanne ist ein soziales Wesen. Sie hat Bedürfnisse nach Nähe und Gesellschaft wie du und ich. Wird sie einzeln gehalten, verkümmert sie, ihre Farbe wird dumpf und sie zieht sich zusammen, bis höchstens noch fünf Liter hineinpassen.
Wenn es erst mal so weit gekommen ist, dauert es lange, bis eine Gießkanne sich wieder erholt.

In großen Gruppen hingegen blüht sie förmlich auf, ihre Farbe wird hell und freundlich und ihr Fassungsvermögen groß.
Schau nur, wie gelassen und zuversichtlich sie dort zusammen stehen und in ihrer stillen Gießkannensprache tuscheln.

Samstag, 30. Juni 2018

der Schatz im Berg

Wenn von einem Schatz im Berg die Rede ist, denkt man gerne an Zwerge, Nibelungen, große Truhen voller Goldmünzen und so weiter. Oder an einen bestimmten Ring mit unaussprechlicher Gravur.
Der Schatz, den ich gestern im Garten gefunden habe, ist kleiner. Und weniger wertvoll. Und vom Zahn der Zeit mehr angenagt.
Aber es ist die erste Münze, die ich dort gefunden habe! Die bisherigen Fundstücke waren (bis auf die Glasmurmel neulich) zumeist Scherben von Fliesen, Glasflaschen oder altem Porzellan. Und Steine, Steine, Steine.
Sie sah mal so aus:
Daran siehst du, dass sie schon sehr alt sein muss. Erstaunlicherweise hab ich sie auf dem Hügel gefunden, und der ist ja noch gar nicht sehr alt.
Ich geh mal weiter umgraben …

Freitag, 15. Juni 2018

je und je

Im Jahre 2010 wurde ich von einer Bekannten gefragt, ob ich sie im Mai zu einem Treffen von Menschen fahren könnte, die gerne in Kommunitäten leben würden. Sie würde auch die ganze Reise und den Aufenthalt für mich bezahlen.
Wie ich so bin, habe ich nicht lange überlegt und zugesagt -- der Mai ist bekanntermaßen die Zeit des Jahres, die aus fast allen Landschaften etwas Verzauberndes schafft.
Die Reise führte mich nach Selbitz ins Frankenland, ich habe hier, da und dort darüber berichtet.
Wovon ich damals nicht berichtete, ist folgende Begebenheit.

Da ich ja nur des Transportes wegen beim Kommunitätentreffen weilte und mit dem Thema nichts zu tun hatte, hatte ich also viel Zeit, die Umgebung zu erkunden. Bei einer der Wanderungen stieß ich mitten im dichten Wald auf den Friedhof der Klostergemeinschaft und wunderte mich darüber, dass alle Steine gleich aussahen. Das ist ja bei Friedhöfen eher selten der Fall, außer es sind Soldatenfriedhöfe.
Die Brüder und Schwestern hatten alle den gleichen Stein, und darauf war (neben dem Namen sowie Geburts- und Sterbetag) der Bibelvers, der ihnen im Leben besonders wichtig gewesen war.
Diese drei haben mich besonders angesprochen, sonst hätte ich sie nicht geknipst und bis heute in meinen Fotoarchiven aufbewahrt.
Seit knapp nach Pfingsten 2010 wollte ich diese Sache mal im Vorgarten bringen, ich habe das Foto in diversen Bearbeitungen immer auf meinem Desktop liegen. Aber man schreibt ja lieber über aktuelle Geschichten. Immer kam irgendwas dazwischen.

Vor einigen Tagen war ich bei einer christlichen Veranstaltung, über deren Rahmen, Thema und so weiter ich nicht urteilen will, es war nicht mein Geschmack. Dazu gab es dann noch Bibelspruchkärtchen, für jeden eins, und ich habe einen ausgeprägten Bibelspruchkärtchenschaden. Ich wollte mich schütteln und flüchten, da ich aber an dem Tag der Beifahrer war, war das nicht praktikabel, also bin ich geblieben. Und bekam folgerichtig auch so ein Kärtchen zugesteckt.
Das ist nicht schlimm. Ich drehte das Kärtchen um, weil ich gesehen hatte, dass da auch noch was steht.
Och, dachte ich, die Welt ist ja gar nicht so groß.
Das zweite Kärtchen der Christusbruderschaft Selbitz, das sich an diesem Abend zu mir gesellte, weil jemand dachte, dass ich noch keines hätte, hatte exakt diesen Inhalt:
Es muss stimmen, was er da über mich sagt.
Der Vers begleitet mich nun seit Pfingsten 2010, und erst recht seit dem Erhalt des besagten zweiten Kärtchens.
So hängt es an meinem Kühlschrank und ich sehe es jeden Tag.