Donnerstag, 20. August 2015

Jeder müsste sie gern haben.

Sie ist eine Pflanze und sie ist sehr unbeliebt.
Völlig unverständlicherweise!
Sie hat keine Dornen wie die Brombeere, die ich mittlerweile rubus infernalis nenne, denk dir, warum.
Sie rankt nicht wie die Ackerwinde.
Sie bildet keine oberirdischen Ausläufer wie die wilde Erdbeere (oder die Ackerwinde).
Sie klettert nicht wie das Efeu (oder die Achduweißtschonwinde).
Sie macht keine Pollen wie Gras, Hasel, Birke und --Haa-tschi!
Sie macht keine Samen und verstreut sie in alle Winde wie der Löwenzahn. Oder klettet sie an dir fest. Oder baut darauf, dass sie von Vögeln verschossen werden.
Sie blüht nicht und lockt dann stechende Insekten an wie fast alle anderen Pflanzen.
Sie ist robust, übersteht Trockenzeiten mühelos und ist dazu resistent gegen Schnecke, Hase, Wühlmaus und wie sie alle beißen.

Jeder müsste sie gern haben.
Aber alle sehen nur: "Die wirst du nie wieder los, wenn du sie einmal im Garten hast!" und holen die Herbizide aus dem Schrank.
Die Rede ist vom Ackerschachtelhalm oder Schackerachtelhalm, wie ich ihn auch zu nennen pflege. (Der echte, nicht der aus dem 39. EBEW.)
Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) -- nahezu allgegenwärtig auf dem Friedhof
Da wir ja keine beliebige Grünanlage betreiben, habe ich wie beim Friedhofshasen über eine Unterform nachgedacht mit dem schönen Namen Gottesackerschachtelhalm. Meist denk ich aber andere Dinge, wenn es um ihn geht.

Der Schachtelhalm ist ein Relikt der Dinosaurierzeit und hat seither alle Eiszeiten, Kometeneinschläge und Atomunfälle unbeschadet überstanden. Klar, dass ich kleines Grabpflegerlein nichts gegen die Pflanze auszurichten weiß.
Ihre Wurzeln ragen bis zwei Meter in die Tiefe. Hinterlässt man ein Fragment des Wurzelstrangs in der Erde, bildet es seine eigene Pflanze.
Heimisch ist der Schachtelhalm in nassen Senken und warmen Feuchtgebieten -- und mittlerweile überall, wo er als blinder Passagier im Mutterboden ausgekippt wird. Auf diesem Weg ist er auf den Friedhof gelangt und er wird dort bleiben. Ich bin da so sicher, weil ich weiß, welche Mittel uns zur Verfügung stehen.
Gift -- dürfen wir nicht. Frag mich nicht wer, aber jemand hat es verfügt.
42°C heißes Wasser -- funktioniert bei den meisten Pflanzen, reicht aber nicht bis in zwei Meter Tiefe.
Brandrodung -- sähe seltsam aus, wenn wir den Friedhof abfackeln. Die Hitze reicht auch nicht bis unten hin.
Sprengen -- und noch mehr Wurzelfragmente überall verstreuen?! Sind wir wahnsinnig?!!
Also bleibt uns (vor allem: mir) nur das oberirdische und völlig nutzlose Jäten,
damit es hinterher schön aussieht, denn der Kunde hat ein sauberes Grab bestellt.
Solltest du mal ein paar Kilo Schachtelhalm benötigen, denn er ist ja neben den oben genannten Eigenschaften auch noch als Heil- und Nutzpflanze bekannt, wende dich vertrauensvoll an mich.
Wir ham reichlich. Reichlich mehr Fakten hat wie üblich Tante Wiki. Im Oktober noch mehr Schackerachtelhalm und 2016 immer noch mehr.

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