Dienstag, 17. April 2012

Teekessel zur Miete

Als ich vorletzten Winter in Euskirchen war und den vielfüßigen Wahnsinn besuchte, war ich zu einem Verdauungsspaziergang alleine draußen und ging durch die Felder und wunderte mich über die langen Hügel, die da rumstanden. Es war ja alles voll Schnee, deswegen wusste ich da noch nicht, was ich kurz drauf feststellte, nämlich dass es Zuckerrübenmieten waren.
In der Voreifel werden viele Zuckerrüben angebaut, hier im Vorgartenland gibt es das gar nicht. Das liegt an der Bodenqualität.

Miete, dachte ich. Seltsam, oder, dass zwei so unterschiedliche Dinge - also das, was man dem Vermieter zahlt und das, was man auch einen Rübenhaufen nennen könnte (oder Heuhaufen, Holzhaufen, etc.) - dass also diese beiden Sachen beide Miete heißen.
Ich habe sofort angefangen, wilde Thesen aufzustellen (beim Spazierengehen hat man ja viel Zeit und es arbeiten fast nur die Füße), dass die Wörter sicher ganz unterschiedlicher Herkunft sind.
Nämlich, dachte ich mir, die Wohnungsmiete ist bestimmt lateinischen Ursprungs. Die alten Römer waren ja so kultiviert, die hatten auch Mietswohnungen. Mit Rüben hingegen haben sie sich nicht abgegeben. Die Haufenmiete ist dann bestimmt germanischen Ursprungs.

Soweit die Theorie!
Tatsächlich habe ich zwar ein bisschen Recht, aber nur ein sehr kleines Bisschen. Eins ist lateinisch, eins ist germanisch. Aber es ist genau umgekehrt mit der Wortherkunft.
Mein blauer Mitarbeiter aus dem Dudenverlag weiß:

Miete „mit Stroh, Kraut o.Ä. abgedecktes Lager von Feldfrüchten“: Das im 18. Jh. aus dem Niederd. ins Hochd. gelangte Substantiv geht auf mniederl. mīte „aufgeschichteter Heu- oder Holzhaufen“ zurück, das aus lat. meta „kegelförmige Figur, kegelförmig aufgeschichteter Heuschober“ entlehnt ist.

Miete „Geldbetrag für das Benutzungsrecht einer Wohnung oder dgl.; Vertrag über die zeitweilige Nutzung einer Sache; Anrecht“: Das altgerm. Wort für „Lohn, Bezahlung“ (mhd. miet[e], ahd. miata, got. midzō, engl meed) geht mit verwandten Wörtern in anderen idg. Sprachen auf *midzó-s „Lohn“ zurück, vgl. z.B. griech. misthós „Lohn, Sold, Miete“ und russ. mzda „Lohn, Entgelt“.
aus: Herkunftswörterbuch S.525, 3. Auflage, Band 7, Dudenverlag

Ableitungen: mieten, vermieten, Mieter, Vermieter, Untermieter, Mietskaserne.
Redewendung: „die halbe Miete sein“
…aber das kannst du dann bei Interesse selber finden und lesen.

7 Kommentare:

  1. Statistierfreund17. April 2012 um 18:03

    ich hätte da noch eine Ableitung:
    Mietsekatze.

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  2. Mietsekatze...

    ...weil sie zur Miete bei uns wohnen und mit Streicheleinheiten bezahlen?

    ...oder weil sie gerne auf aufgeschichteten, weichen Gegenständen liegen?

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  3. Haha, Herr Mietser, an genau Sie habe ich dabei gedacht.

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  4. So, hamse also. Sie meinen wohl ich wäre eine "kegelförmige Figur"?

    (obwohl, wenn ich mich so recht betrachte...tut nix zur Sache)

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  5. im Übrigen, kannze mal der Vorgärtnerin sagen, sie möge doch bitte das Chapta-Dings abstellen?! ich habe nu wahrlich keine Lust immer da irgendwelche Buchstabenketten einzugeben um zu beweisen das ich kein Bot bin!
    Und ist das hier so jetzt Ouzo im Garten, hä?

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  6. wenn Sie das für sich in Anspruch nehmen, bitte...
    Sie hätten ja auch ein "Geldbetrag" (etc) sein können.

    Und nee, das mit der Wortbestätigung, das war mal wieder nödsch, weil allerhand Roboter ihren Robotermist hier abgeladen hatten.
    Will ja auch keiner haben.
    (hihi, Ouzo, das passt... wir hatten gerade Gyros. Prost, Bruder!)

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