Dienstag, 18. November 2014

het paradijs voor fietsers

Vom barrierefreien Radfahren kann man in Deutschland nur träumen, außer vielleicht in Städten, in denen die Radfahrer deutlich in der Mehrzahl sind. Ist man den Straßenverkehr einer kleinen bergischen Großstadt gewohnt, kommt man sich in den Niederlanden wirklich vor wie im Paradies.
Das hat nichts mit der hier hügeligen und dort flachen Topografie zu tun.

Es gibt überall Radwege, stellenweise sogar Radstraßen.
Die Radwege haben in manchen Städten Linksabbiegerspuren!!! Als ich das zum ersten Mal sah, musste ich laut lachen.
Sie haben natürlich eigene Ampeln.
Fast jede Einbahnstraße ist für Radfahrer in beide Richtungen befahrbar.
Die meisten Radwege außerhalb der Ortschaften sind glatt asphaltiert und sicherlich zwei Meter breit. Autos sind natürlich nur in Sonderfällen gestattet.
In kleinen Ortschaften fahren die Radfahrer auch auf den Straßen.
Fährst du als Autofahrer einen Radfahrer über den Haufen, bist du schuld.
Radfahrer haben nicht immer Recht oder Vorfahrt, aber die Autofahrer verhalten sich wesentlich defensiver ihnen gegenüber.

Siehst du in den Niederlanden einen Radfahrer mit Helm, kannst du in 90% der Fälle davon ausgehen, einen Deutschen vor dir zu haben.
Meine Herbergswirtin fragte mich, warum wir alle die Helme tragen.
Sie fragte mich das, nachdem ich in drei Tagen ungefähr 100 Kilometer gefahren war, aus reiner Begeisterung, weil es so schön ist.
Ich suchte nach einem Beispiel, das die Gegensätze illustriert.
Schließlich sagte ich: In Deutschland ist Radfahren sehr gefährlich.

Hinterher dachte ich darüber nach, ob ich nicht übertrieben hätte. Sehr gefährlich! Das klingt ja wie Löwengehege oder so.
Kommt es nicht auch darauf an, wie man sich den Autofahrern gegenüber verhält?
Ja, schon.
Trotzdem.

Im Vergleich mit dem Fahrradparadies Niederlande ist es hier tatsächlich sehr gefährlich, mit dem Rad im Straßenverkehr unterwegs zu sein.
Die Leute biegen rücksichtslos ab und missachten die Vorfahrt. Ohne zupackende Bremsen und schnelles Reaktionsvermögen bist du verloren.
Sie halten keinen Abstand beim Überholen. Manchmal liegen zwischen Außenspiegel und meinem Ellbogen zehn Zentimeter -- gefühlt, ich habe kein Lineal zur Hand. Dem Autofahrer ist das nicht klar, er denkt nicht darüber nach. Zuletzt hat er in der Fahrschule gelernt, mit wie viel Abstand ein Radfahrer zu überholen ist.
(Falls du Auto fährst und dir gerade über den Abstand unsicher bist, sag ichs dir gerne: EIN METER.)

Es ist kein Zufall, dass mein Fiets fast nur aus Reflektoren besteht und außerdem einen sehr hellen Frontscheinwerfer hat.
Den Lichtkegel kann ich hier nicht dokumentieren, da ich beim Fahren für gewöhnlich beide Hände am Lenker habe.
Es geht da um Reichweiten von 50 Metern.

Klick draufund mein Lieblingsstraßenschild wird größer ;-)

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Natürlich gibt es Radfahrer, die sich nicht wie ernstzunehmende Verkehrsteilnehmer benehmen.
Und ja, es gibt auch Autofahrer, die sich defensiv gegenüber Radfahrern verhalten.

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